Neben hohen Renditen haben P2P Kredite auch nicht unerhebliche Risiken, vom Teil- bis zum Totalverlust der Investition. Daher sollte nur ein geringer Anteil des eigenen Vermögens in diese Anlageform investiert werden. Häufig empfohlen werden dabei fünf bis zehn Prozent des Gesamtkapitals. Vor allem am Anfang empfiehlt es sich zum Einstieg mit kleineren Summen zu starten, um auch erstmal ein Gefühl für diese Art des Investments zu bekommen. Im Folgenden sind einige mögliche Risiken aufgelistet.
Kreditausfallrisiko
Der Kreditnehmer kann den aufgenommenen Kredit nur verspätet oder gar nicht zurückzahlen. Fällt der Kredit komplett aus sind der investierte Betrag und mögliche Zinsen verloren. Durch eine RückkaufverpflichtungBei einer Rückkaufgarantie (englisch: Buyback) verpflichtet sich in der Regel nicht die Plattform s... More bzw. RückkaufgarantieBei einer Rückkaufgarantie (englisch: Buyback) verpflichtet sich in der Regel nicht die Plattform s... More kann dieses Risiko minimiert werden. Dabei kauft das Kreditunternehmen den Kredit bei Verzug zurück und bezahlt den investierten Betrag inklusive Zinsen. Häufig greift eine solche RückkaufgarantieBei einer Rückkaufgarantie (englisch: Buyback) verpflichtet sich in der Regel nicht die Plattform s... More bei einem Verzug von über 60 Tagen.
Durch DiversifikationDiversifikation bedeutet Streuung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen (Aktien, Anleihen, I... More kann dieses Risiko ebenfalls verringert werden. DiversifikationDiversifikation bedeutet Streuung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen (Aktien, Anleihen, I... More bedeutet in möglichst viele unterschiedliche Kredite zu investieren und damit das Risiko zu streuen. Statt beispielsweise 100€ in einen einzelnen Kredit zu investieren, ist es besser je 10€ auf zehn verschiedene Kredite zu verteilen. Auch das Investieren in mehreren P2P Plattformen diversifiziert die Anlage.
Kreditunternehmensrisiko
Die P2P Plattformen arbeiten auch teilweise mit mehreren Kreditunternehmen zusammen und treten dabei als Vermittler der Kredite auf. Stellt ein Kreditunternehmen den Geschäftsbetrieb ein ist die Investition, trotz möglicher RückkaufverpflichtungBei einer Rückkaufgarantie (englisch: Buyback) verpflichtet sich in der Regel nicht die Plattform s... More, gefährdet.
Besonders ausgeprägt ist dieses Risiko, wenn eine Plattform überwiegend oder ausschließlich mit einem einzigen Kreditgeber-Konzern zusammenarbeitet (sogenanntes Klumpen- bzw. Konzentrationsrisiko). Gerät dieser eine Kreditgeber in finanzielle Schwierigkeiten, ist im Zweifel das gesamte investierte Kapital auf dieser Plattform betroffen, unabhängig davon, wie viele einzelne Kredite darüber vermittelt wurden.
Auch hier trägt die Streuung über mehrere Kreditunternehmen und mehrere Plattformen zur Risikominimierung bei. Einige P2P Anbieter stellen hier auch eine Risikobewertung der Kreditunternehmen zur Verfügung, so dass schlecht bewertete Kreditunternehmen von einer Investition ausgeschlossen werden können.
Plattformrisiko
Die P2P Plattform selbst könnte ihren Betrieb einstellen, was mit einem Totalverlust bei diesem Anbieter verbunden sein könnte. Im Gegensatz zu Banken gibt es bei P2P Plattformen keine EinlagensicherungDie gesetzliche Einlagensicherung schützt das Vermögen, bis 100.000 Euro, bei Banken innerhalb der... More. Wie so ein Fall in der Praxis ablaufen kann, lässt sich am Beispiel Ventus Energy nachvollziehen, wo nach einer behördlichen Anordnung ein gerichtlich begleitetes Restrukturierungsverfahren eingeleitet wurde.
Die Nutzung mehrerer P2P Plattformen trägt auch hier wieder zur Minimierung des Risikos bei. Als grobe Orientierung empfehlen erfahrene Investoren häufig, keine einzelne Plattform mit mehr als etwa 10 Prozent des gesamten P2P-Portfolios zu gewichten, bei unregulierten Plattformen eher nicht mehr als 5 Prozent.
Regulierungsrisiko
Neben dem eigentlichen Geschäftsmodell- und Betrugsrisiko gibt es noch eine weitere, oft unterschätzte Risikoart: das regulatorische Risiko. Dabei geht es nicht darum, dass eine Plattform betrügt oder ihr Geschäftsmodell nicht funktioniert, sondern darum, dass eine Aufsichtsbehörde das Geschäft aus rein rechtlichen Gründen stoppt, etwa weil eine eigentlich notwendige Erlaubnis fehlt. Das kann auch Plattformen treffen, die operativ ehrlich arbeiten. Genau das war beim Fall Ventus Energy zu beobachten: Die BaFin stufte die Anlegerverträge als erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft nach dem Kreditwesengesetz ein und ordnete die sofortige Einstellung des Geschäfts an.
Für Anleger lässt sich der Lizenzstatus einer Plattform vergleichsweise leicht überprüfen, etwa über das Register der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA für ECSP-lizenzierte Plattformen oder über die Webseiten der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörden. Die lettische Zentralbank (Latvijas Banka) veröffentlicht zudem eine Warnliste von Unternehmen, die in Lettland Investmentdienstleistungen ohne die dafür nötige Lizenz anbieten; auf dieser Liste stehen mitunter auch länger etablierte und in der Community angesehene Plattformen.
Wichtig dabei: Eine Lizenz ist kein Renditesiegel. Sie schützt weder vor Kreditausfällen noch vor der Insolvenz einzelner Kreditgeber, und auch bei regulierten Plattformen können erhebliche Summen über längere Zeit in der Rückholung feststecken. Eine MiFID-II-Lizenz bringt zwar meist ein gesetzliches Anlegerentschädigungssystem bis 20.000 € mit sich, dieses greift aber ausschließlich bei Insolvenz oder Veruntreuung durch die Plattform selbst, nicht bei gewöhnlichen Kreditausfällen. Bei einer ECSP-Lizenz gibt es einen solchen Entschädigungstopf in der Regel gar nicht.
Länder- und Währungsrisiko
Viele P2P Plattformen vermitteln Kredite auch außerhalb der Eurozone, teils in wirtschaftlich oder politisch weniger stabilen Regionen. Neben dem FremdwährungsrisikoBeim Fremdwährungsrisiko oder Wechselkursrisiko kann sich der Wert durch schwankende Wechselkurse v... More bei Krediten in Nicht-Euro-Währungen kann sich ein zunächst rein theoretisches Länderrisiko im Ernstfall sehr konkret auswirken, etwa durch Kapitalverkehrskontrollen, den Zusammenbruch von Zahlungswegen oder politische Unruhen. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat dies deutlich gezeigt: Kredite in beiden Ländern waren für viele Investoren zeitweise oder dauerhaft blockiert bzw. gingen verloren. Auch bei Krediten aus weiter entfernten Märkten (etwa Südostasien oder Lateinamerika) kann eine Rückholung im Ernstfall deutlich schwieriger und langwieriger sein als innerhalb der EU.
Liquiditätsrisiko
Auch wenn viele Plattformen mit täglicher Verfügbarkeit oder einem SekundärmarktAuf dem Sekundärmarkt werden Kredite von anderen Investoren angeboten, d.h. von Investoren an ander... More werben, ist eine Auszahlung nicht immer garantiert sofort möglich. In Stresssituationen, etwa bei einem plötzlichen Ansturm auf Auszahlungen oder bei Liquiditätsproblemen der zugrunde liegenden Kreditgeber, kann es zu Auszahlungsverzögerungen oder vorübergehend ausgesetzten Auszahlungen kommen, selbst bei Produkten, die eigentlich auf hohe Liquidität ausgelegt sind. Ein funktionierender SekundärmarktAuf dem Sekundärmarkt werden Kredite von anderen Investoren angeboten, d.h. von Investoren an ander... More ist zudem kein Selbstläufer: Ohne ausreichend andere Käufer kann ein vorzeitiger Verkauf von Investments auch dort schwierig oder nur mit deutlichem Abschlag möglich sein.